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Familie Wilczek

Graf Johann Nepomuk Wilczek (1837 – 1922), der Spross eines alten, bis ins 12. Jahrhundert zurückreichenden polnischen Adelsgeschlechts, war einer der bedeutendsten österreichischen Aristokraten seiner Ära. Persönlich für seine äußerste Bescheidenheit und Genügsamkeit legendär, war er zugleich als Großgrundbesitzer und Eigentümer des zweitgrößten Kohlebergwerks der k.u.k Monarchie einer der vermögendsten Unternehmer des Reichs.

Als Mitglied des Hochadels bekleidete er als einflussreicher Kämmerer das wichtigste Ehrenamt am Wiener Hof und stellte als großzügiger Philantrop große Teile seines Vermögens in den Dienst der Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft sowie zahlreicher sozialer Einrichtungen. Zu seinen bis heute bedeutungsvollen Leistungen zählt etwa die Gründung der Wiener Rettungsgesellschaft (der heutigen Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst der Stadt Wien) 1881 unter dem Eindruck der Katastrophe des Ringtheaterbrandes und die Gründung des Wiener Rudolfinerhauses 1882 gemeinsam mit Theodor Billroth, dem Wiener Pionier der modernen Chirurgie.

In jungen Jahren widmete er sich archäologischen, kunst- und naturhistorischen Studien und unternahm zwischen 1860 und 1870 mehrere Jagdreisen nach Afrika. Als Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und als Präsident der Österreichischen Geographischen Gesellschaft war Wilczek als treibende Kraft und Finanzier am Zustandekommen der ersten österreichische Nordpolexpedition 1872 – 1874 unter der Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer maßgeblich beteiligt. Auf der Isbjörn begleitete er persönlich von Spitzbergen aus das Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff bis zur Barentsinsel, um dort ein großes Lebensmittel- und Kohledepot anzulegen, knapp ehe die Forscher unter dramatischen Umständen zwei Polarwinter lang im Packeis eingeschlossen wurden. Noch heute tragen zwei im Zuge der Expedition entdeckte Inseln im Arktischen Ozean den Namen des großen Förderers.

Als persönlicher Freund und Förderer der bekanntesten Künstler seiner Zeit – etwa der bedeutendste Vertreter der österreichischen Monumental- und Historienmalerei Hans Makart – gründete Wilczek u.a  die Gesellschaft der Wiener Kunstfreunde. Neben der Organisation und Finanzierung zahlreicher Kunstausstellungen war Wilczek u.a. von 1894 bis 1918 auch als Kurator des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien tätig. Neben seiner großen Kunstleidenschaft war nicht zuletzt auch seine große persönliche Vorliebe für das Sammeln historischer Waffen und Rüstungen einer der Auslöser für die Wiedererrichtung der Ruine Kreuzenstein, die bis heute das bekannteste Baudenkmal seines umfangreichen Lebenswerks darstellt.

Graf Johann Nepomuk Wilczek wurde mit vielfachen Ehrungen bedacht, unter anderem von der Akademie der Wissenschaften, von Kaiser Franz Joseph, der ihn zum Ritter des Goldenen Vlieses schlug sowie von der Stadt Wien, die ihn zum Ehrenbürger ernannte. Er starb 1922 in Wien und liegt in der Familiengruft auf Burg Kreuzenstein bestattet.

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